Juister Jugendliche möchten ein Jugendzentrum

Verein  Skateranlage steht immer noch oben auf der Wunschliste – Zahlreiche Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen

Der Verein „Kinner un Lü“ setzt sich seit zehn Jahren für Juister Kinder und Jugendliche ein.

Juist – Zehn Jahre ist es mittlerweile her, seit auf Juist der Verein „Kinner un Lü“  gegründet wurde – und zwar interfraktionell. Das betont die zweite Vorsitzende Hilta Depser-Moritz schmunzelnd, die sich damals als Ratsfrau im Juister Gemeinderat engagierte. Die Idee war auf einem Frauenstammtisch entstanden, blickt die Vorsitzende Heike Heikens zurück.

Die Juister Frauen entschlossen sich zum Handeln, weil es auf Juist zu dieser Zeit keinen Platz für Kinder gab: Der Kinderspielplatz im Ostdorf war abgebaut worden, und die Gemeinde hatte kein Geld für den geplanten neuen Spielplatz am alten Bahnhof.

Nach der ersten Zusammenkunft Ende 1997 krempelten die Mitglieder des neuen Vereins sogleich die Ärmel hoch und machten sich daran, das Geld für den gewünschten Kinderspielplatz am alten Bahnhof durch Haussammlungen und Veranstaltungen zusammenzubringen.

Am 16. August 1998 war es so weit: Sandra Lüpkes, die damalige 1. Vorsitzende, hisste zur Eröffnung des Kinderspielplatzes auf dem bislang ungenutzten  Deichzwischengelände beim Alten Bahnhof die Juist-Flagge. Voller Freude eroberten die Kinder das Sandwrack Bounty und die Spiellandschaft Juist, und die Jugendlichen weihten den Skateboard-Platz auf dem großen Gelände mit einer atemberaubenden Show auf ihren Skateboards und Inineskatern ein. Ihre Freude allerdings währte nicht lange: Weil die Skateranlage zu geräuschvoll war, musste sie wieder abgebaut werden.

Dieser Wunsch der Juister Jugendlichen ist bis heute noch nicht erfüllt worden. Der Verein hofft, dass in Zusammenhang mit dem Bau des neuen Hafens ein Platz gefunden werden kann, auf dem sich die jungen Juister und Urlauber austoben können, ohne dass es als störend empfunden wird. Auf der Wunschliste des Vereins „Kinner un Lü“ steht weiter die Schaffung eigener Räume für die jungen Leute ganz oben.

OT-Lager im Gespräch

Bereits im April 2004 hatte  der Vorstand dem Juister Bürgermeister Karl-Josef Wederhake 50 Unterschriften von Juister Kindern und Jugendlichen überreicht, die sich für die Einrichtung eines Jugendzentrums im sogenannten OT-Lager stark machen. Sie solle, so die Jugendlichen, mit einer Musikanlage, Teeküche und Möbeln ausgestattet werden und könnte zugleich als Begegnungsstäte für Juister und  gleichaltrige Urlauber dienen. Auch stellen sie sich vor, dass künftig Sport-, Koch- und Tanzkurse sowie Hausaufgabenhilfe im OT-Lager angeboten werden. Der Verein hofft, dass auf diese Weise der bisherige Treffpunkt beim Januspark für sie uninteressant wird.

In der vergangenen Woche trugen Heike Heiken und Hilta Depser-Moritz die unerfüllten Wünsche dem Ausschuss für Soziales, Jugend und Sport noch einmal vor. Wichtig ist in ihren Augen auch, dass die jungen Leute nicht allein gelassen werden, wie es bei ähnlichen gescheiterten Projekten in der Vergangenheit der Fall war. „Es geht eigentlich nicht ohne Sozialarbeiter“, stellt Depser-Moritz fest.

In den zehn Jahren seines Bestehens hat der Verein „Kinner un Lü“ allerhand auf die Beine gestellt: Er stattete die Spielplätze im Loog, im Dorf und in Ostdorf mit Spielgeräten aus, gab den Kinderräumen der Kurverwaltung ein neues attraktives Gesicht  und schaffte eine Hüpfburg für Veranstaltungen an. Auch  weihte der Verein 2004 den in einem Dünental gelegenen Kleinkinderspielplatz Bambi ein, für den sie Spenden in Höhe von 80000 Euro gesammelt hatten. Bei der Einweihung der neuen Schaukel und des Spielhauses sangen zahlreiche Kinder Lieder aus dem „Wiegand Wattwurm“-Musical, das Sandra Lüpkes und Bernhard Fleßner mit Juister Kindern 2004 auf die Juister Bühnenbretter gestellt hatten.

Der Verein „Kinner un Lü“ hatte in diesem Jahr seine erste erfolgreiche Ferienpass-Aktion nach dem Vorbild der Norderneyer organisiert – neben Kindertanzkursen und Aufklärungsveranstaltungen über Drogen und Alkohol mit dem Referenten Bernd Ritter, der in Hannover an einem Heroinprojekt arbeitet. Auch reisten Norderneyer Kinder am 2. April 2004 nach Juist, um zusammen mit den Kindern von der Nachbarinsel zum Flugplatz zu boßeln; der Gegenbesuch auf Norderney fand im April 2005 auf Norderney statt.

Trotz der Fülle erfolgreicher Aktivitäten stand der Verein 2005 vor der Auflösung: Mehrere Vorstandsmitglieder hatten inzwischen die Insel verlassen, und einer Einladung des Vereins waren nur vier Mitglieder gefolgt. Da hatte die langjährige Ratsfrau Hannegret Flessner eine gute Idee: Auf ihren Vorschlag gingen der Verein „Kinner un Lü“ und die Juister Arbeiterwohlfahrt (Awo) eine Kooperation ein. Sie richteten in dem Raum im Dorfgemeinschaftshaus, der von der Arbeiterwohlfahrt seit Jahren genutzt wird, einen regelmäßigen betreuten Jugendtreff ein, der „Chics“ getauft wurde.