OSTFRIESISCHER KURIER JUIST SONNABEND, 15. März 2008

Zu den Höhepunkten im Vereinsleben von "Kinner un Lü" gehört die Einweihung des Spielplatzes Dorf/Zwischendeichgelände und des Kleinkinderspielplatzes Bambi, der idyllisch in den Dünen liegt.

Schaukeln bei Sonnenschein in der schönsten Inselnatur - das ist auf Juist möglich.

"Kinner un Lü“ setzt sich seit zehn Jahren für Juister Kinder und Jugendliche ein.

VON EVA REQUARDT-SCHOHAUS

JUIST Zehn Jahre ist es mittlerweile her, seit auf Juist der Verein „Kinner un Lü“ gegründet wurde – und zwar interfraktionell. Das betont die zweite Vorsitzende Hilta Depser-Moritz schmunzelnd, die sich damals als Ratsfrau im Juister Gemeinderat engagierte. Die Idee war an einem Frauenstammtisch entstanden, blickt die Vorsitzende Heike Heiken zurück. Die Juister Frauen entschlossen sich zum Handeln, weil es auf Juist zu dieser Zeit keinen Platz für Kinder gab: Der Kinderspielplatz im Ostdorf war abgebaut worden, und die Gemeinde hatte kein Geld für den geplanten neuen Spielplatz am Alten Bahnhof.
Nach der ersten Zusammenkunft
Ende 1997 krempelten die Mitglieder des neuen Vereins sogleich die Ärmel hoch und machten sich daran, das Geld für den gewünschten Kinderspielplatz am Alten Bahnhof durch Haussammlungen und Veranstaltungen zusammenzubringen.

58.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen.

Am 16. August 1998 war es so weit:
Sandra Lüpkes, die damalige 1.Vorsitzende, hisste zur Eröffnung
des Kinderspielplatzes auf dem bislang ungenutzten Deichzwischengelände beim Alten Bahnhof die Juist-Flagge. Voller Freude eroberten die Kinder das Sandwrack Bounty und die Spiellandschaft Juist ,und die Jugendlichen weihten den Skateboard-Platz auf dem großen Gelände mit einer atemberaubenden Show auf ihren Skateboards und Inlineskatern ein. Ihre Freude allerdings währte nicht lange: Weil die Skateranlage zu geräuschvoll war, musste sie wieder abgebaut werden. Dieser Wunsch der Juister Jugendlichen ist bis heute noch nicht in Erfüllung gegangen.
Der Verein hofft, dass in Zusammenhang mit dem Bau des neuen Hafens ein Platz gefunden werden kann, auf dem sich die jungen Juister und Urlauber austoben können, ohne dass es als störend empfunden wird. Auf der Wunschliste des Vereins „Kinner un Lü“ steht weiter die Schaffung eigener Räume für die jungen Leute ganz oben.

OT-Lager im Gespräch

Bereits im April 2004 hatte der Vorstand dem Juister Bürgermeister Karl-Josef Wederhake rund 50 Unterschriften von Juister Kindern und Jugendlichen überreicht, die sich für die Einrichtung eines Jugendzentrumsi m sogenannten OT-Lager stark machen. Sie solle, so die Jugendlichen ,mit einer Musikanlage, Teeküche und Möbeln ausgestattet werden und könnte zugleich als Begegnungsstätte für junge Juister und gleichaltrige Urlauber dienen. Auch stellen sie sich vor, dass künftig Sport-,Koch- und Tanzkurse sowie Hausaufgabenhilfe im OT-Lager angeboten werden. Der Verein hofft, dass auf diese Weise der bisherige Treffpunkt beim Januspark für die Jugendlichen uninteressant wird. In der letzten Woche trug Heike Heiken die unerfüllten Wünsche dem Ausschuss für Soziales, Jugend und Sport noch einmal vor. Wichtig ist es in den Augen der Vorstandsmitglieder auch, dass die jungen Leute nicht allein gelassen werden, wie es bei ähnlichen gescheiterten Projekten in der Vergangenheit der Fall war. „Es geht eigentlich nicht ohne Sozialarbeiter“, findet Depser-Moritz. In den zehn Jahren seines Bestehens hat der Verein „Kinner un Lü“ allerhand auf die Beine gestellt: Er stattete die Spielplätze im Loog, im Dorf und im Ostdorf mit Spielgeräten aus, gab den Kinderräumen der Kurverwaltung ein neues attraktives Gesicht und schaffte Hüpfburgen für Veranstaltungen an. Auch weihte der Verein 2004 den in einem Dünental gelegenen Kleinkinderspielplatz Bambi ein, für den er Spenden in Höhe von 80000 Euro gesammelt hatte. Bei der Einweihung der neuen Schaukel und des Spielhauses sangen zahlreiche Kinder Lieder aus dem „Wiegand Wattwurm“- Musical, das Sandra Lüpkes und Bernd Fleßner mit Juister Kindern 2004 auf die Juister Bühnenbretter gestellt hatten. Der Verein „Kinner un Lü“ hatte in jenem Jahr seine erste Ferienpass-Aktion nach dem Vorbild der Norderneyer organisiert, neben Kindertanzkursen und Aufklärungsveranstaltungen über Drogen und Alkohol mit dem Referenten Bernd Ritter, der in Hannover an einem Heroinprojekt arbeitet. Auch reisten Norderneyer Kinder am 2. April 2004 nach Juist, um zusammen mit den Kindern von der Nachbarinsel zum Flugplatz zu boßeln; der Gegenbesuch auf Norderney fand im April 2005 statt.

Jugendtreff „Chics“

Trotz der Fülle erfolgreicher Aktivitäten stand der Verein 2005 vor der Auflösung: Mehrere Vorstandsmitglieder hatten inzwischen die Insel verlassen, und einer Einladung des Vereins waren nur vier Mitglieder gefolgt. Da hatte die langjährige Juister Ratsfrau Hannegret Flessner eine gute Idee: Auf ihren Vorschlag gingen der Verein „Kinner un Lü" und die Juister Arbeiterwohlfahrt (Awo) unter Vorsitz von Waltraud Radauer-Menninga eine Kooperation ein. Sie richteten gemeinsam in dem Raum im Dorfgemeinschaftshaus, der von der Arbeiterwohlfahrt seit Jahren genutzt wird, einen regelmäßigen betreuten Jugendtreff ein, der „Chics“ getauft wurde.