Familien holen sich Rat beim Treff im Dorfgemeinschaftshaus

Eröffnung  Lockere Café-Atmosphäre geschaffen –
Hilfe bei Erziehungsproblemen

Heute  um 15 Uhr wird der „Treff.Punkt.Familie“ im Awo-Raum im
Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule eröffnet.

Juist/ert – Die Diplom-Sozialpädagogin Heike Forberger, die in der Nähe von Ulm aufgewachsen ist, hat sich in den zwei Jahren, die sie bislang auf der Insel verbracht hat, zur „Supernanni“ von Juist entwickelt: Sie ist für Kinder, Jugendliche und Eltern ansprechbar, die Erziehungsprobleme haben. Der Bedarf ist riesengroß, hat sie erfahren, denn auf der Insel gibt es keine Beratungsstellen, und der Weg zum Festland ist für die Inselbewohner zu weit. „Ich bin die sozialpädagogische Feuerwehr“, hat Forberger festgestellt.

Bislang arbeitet sie mit dem Kindergarten und der Inselschule zusammen, wo sie sich unter anderem mit der Profilierung der Hauptschule beschäftigt; außerdem engagiert sie sich in der sozialpädagogischen Familienhilfe. „Ich bin auf verschiedenen Ebenen tätig“, erklärt sie. Die Warteliste von Menschen, die ihren Rat brauchen, ist inzwischen ellenlang, und da ist sie froh und dankbar, dass das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien des Landkreises  Aurich für ein Jahr  den „Treff.Punkt.Familie“ finanziert, den sie seit Anfang November zusammen mit dem Juister Verein „Kinner un Lü“, der als Träger fungiert, eingerichtet hat. Auch hat sie in dem Juister Bürgermeister Dietmar Patron „einen guten Verbündeten“, wie sie betont.

Forberger und Heike Heiken, die 1. Vorsitzende von „Kinner un Lü“, freuen sich darüber, dass ihnen die Arbeiterwohlfahrt ihre Räumlichkeiten im Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule künftig jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr zur Verfügung stellt. Sie sind ein wenig umgestaltet worden, um eine heimelige, lockere Café-Atmosphäre zu schaffen, in der sich ratsuchende Eltern mit und ohne Nachwuchs treffen können. Sie können dort gemeinsam über ihre Probleme sprechen und Lösungen suchen, wobei ihnen die Diplom-Sozialpädagogin mit fachlichem Rat zurseite steht. Auch Selbsthilfegruppen könnten unter Anleitung von Heike Forberger entstehen.

Zu der heutigen Eröffnung hat sie alle Juister Familien  ab 15 Uhr eingeladen. Es gibt aber nicht nur Kuchen und Getränke, sondern die Besucher sollen durch sechs interaktive Stationen dazu angeregt werden, sich intensiver mit dem Thema „Familie“ zu beschäftigen. Zum Beispiel kann ein Familienmitglied nur mit Unterstützung auf einem Balken balancieren. Wer mindestens vier Stationen bewältigt hat, kann an einer Verlosung teilnehmen, für die Juister Gewerbetreibende viele attraktive Preise gestiftet haben – unter anderem Massage- und Haarschneide-Gutscheine und Mützen.

Drei Standbeine

Der Familientreff im Dorfgemeinschaftshaus ist aber nur eines von drei Standbeinen des Treff.Punkts.Familie: Forberger bietet ab sofort jeden Montag von 12 bis 15 Uhr in der Inselschule Juist und nach telefonischer Terminvereinbarung eine Beratung für Eltern an. Wenn Eltern mit ihren pubertierenden Kindern nicht mehr fertig werden, wenn es Probleme in der Familie oder Schule gibt oder wenn das Kind verhaltensauffällg geworden ist, dann sind sie bei Forberger an der richtigen Adresse.

„Unter professioneller Begleitungkönnen familiäre und schulische Probleme besprochen undlösungsorientiert Handlungsschritte erarbeitet werden“, schreibt sie in einem Flugblatt, das auf Juist verteilt wurde. „Eltern werden befähigt, die täglichen Herausforderungen durch Kinder und Jugendliche zu meistern, mehr Gelassenheit im Alltag zu entwickeln und den Erziehungsweg von den Kindheit zu einem selbstbewussten jungen Menschen erfolgreich zu beschreiten.“

Zum dritten Standbein des Treff.Punkts.Familie gehören sozialpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche, die schulische, familiäre und/oder persönliche Probleme haben. Auch in diesem Fall kann Forberger die Räume der Inselschule nutzen. Sie bietet Lösungsstrategien zur Bewältigung von Konfliktsituationen wie Mobbing und Gewalt in der Schule an undmöchte zusammen mit den Betroffenen weitere Projekte entwickeln. Dazu gehört das soziale Lernen zur Förderung  der Schul- und Klassengemeinschaft und die Entwicklung von sozialen Kompetenzen.

Tagesstruktur fehlt

Im Laufe der beiden Jahre hat sich Heike Forberger das Vertrauen von Juister Eltern und Kindern erworben, die ihr das Herz ausschütten können ohne befürchten zu müssen, dass andere von ihren besonderen Problemen erfahren. Sie gibt überforderten Eltern das pädagogische Handwerkszeug, das ihnen fehlt. „Es sind oft einfache Methoden.“ Vielen Kindern fehlt einfach eine feste, verlässliche Tagesstruktur. „Es gibt Eltern, die in der Saison 48 Stunden in der Woche arbeiten – da kann man sich nicht auch noch um ein Kind kommern“, hat sie festgestellt. Nicht zuletzt deshalb ist Forberger sehr daran interessiert, dass aus der Inselschule eine Ganztagsschule wird.

Während der Verein „Kinner un Lü“ einen Jugendtreff in den Räumlichkeiten der Arbeiterwohlfahrt geschaffen  hat, der montags,freitags von sonnabends von Zehn- bis 14-Jährigen besucht wird, fehlen für die Älteren ansprechende Angebote.  Sie wären, so Forberger, an Gesprächsrunden zum Beispiel über Klimawandel und Castor-Transporte einteressiert.